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48: Schreiende Stille. Ana Nenadović über Schweigen und Intersektionalität in Narrationen sexualisierter Gewalt

48: Schreiende Stille. Ana Nenadović über Schweigen und Intersektionalität in Narrationen sexualisierter Gewalt

24m 45s

Kampagnen wie #metoo, #EndRapeCulture oder #balancetonporc, zahlreiche medial intensiv begleitete Gerichtsverfahren, neue Protestformen wie NiUnaMenos oder die Choreographie UnVioladorEnTuCamino: Auf den ersten Blick scheint das langwährende Schweigen rund um sexualisierte Gewalt gebrochen. Und doch wird nur ein Bruchteil aller Übergriffe gemeldet, victim blaming bleibt eine häufig angewandte diskursive Strategie und Scham, Angst und Trauma verhindern, dass die erlebte Gewalt sicht- und hörbar gemacht wird. Das gilt insbesondere für jene Betroffene, die intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt sind. Auch in der Literatur ist sexualisierte Gewalt kein neues Thema. Ana Nenadović, Lecturer an der SOAS University of London, zeigt anhand von Romanen aus Brasilien,...

47: Was wäre wenn? Santiago Contardo über Jorge Luis Borges‘ Texte als Gedankenexperimente

47: Was wäre wenn? Santiago Contardo über Jorge Luis Borges‘ Texte als Gedankenexperimente

26m 51s

Gedankenexperimente wie Schrödingers Katze, sind als eine Art Hilfsmittel der Wissenschaft, um Theorien zu verdeutlichen, bestätigen oder widerlegen. Es werden hierbei Szenarien entworfen, die zwar in ihren wesentlichen Zügen denkbar, jedoch nicht oder nur schwer realisierbar sind. Aufgrund dieses hypothetischen Aspektes lässt sich eine gewisse Nähe zu literarischen Texten feststellen, die ebenfalls häufig mögliche, aber nicht wirkliche Arrangements entwerfen. Santiago Contardo, prae doc an der Romanistik Wien, hat Wintersemester 2023/24 eine Lehrveranstaltung geleitet, in der er und seine Studierenden Jorge Luis Borges' Kurzgeschichten unter diesem Gesichtspunkt analysiert haben. Wir sprechen über das Potential von Literatur und Sprache, deren möglichen Schnittmengen...

46: Bühnen des Benehmens. Jenny Augustin über transkulturelle Verhandlungen von Verhaltensidealen im barocken Frk und Es

46: Bühnen des Benehmens. Jenny Augustin über transkulturelle Verhandlungen von Verhaltensidealen im barocken Frk und Es

20m 25s

Theatertexte und Traktate stellten im Zeitalter des Barocks gleichermaßen Gattungen und Orte der Aushandlung gesellschaftlicher Verhaltensregeln dar. Jenny Augustin, Post-Doc am Institut für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, untersucht in ihrem Habilitationsprojekt, wie sich in spanischen und französischen Texten der Epoche transkulturelle Formen gesellschaftlichen Wandels und der damit einhergehenden Verhaltensideale lesen lassen – und beleuchtet dabei Fragen, wie etwa warum Don Juan in Frankreich ganz anders küsste als in Spanien.

Interview: Benjamin Loy

45: Quee.irrlicht. Stefan Lessmann über Muñoz' Queer Futurity und das Leben in Symbolwelten bei Fogo-Fátuo (2022)

45: Quee.irrlicht. Stefan Lessmann über Muñoz' Queer Futurity und das Leben in Symbolwelten bei Fogo-Fátuo (2022)

21m 40s

Queerness, in seiner Vielfalt an Begehren und Körperlichkeit, ist auf theoretischer Ebene mit einer normativen Erwartungshaltung konfrontiert, der eigene sexuelle Wünsche und Vorstellungen in Sprache und Bild entgegengesetzt werden. In diesem Sinne widmet sich José Esteban Muñoz in seinem Cruising Utopia: The Then and There of Queer Futurity (2009) der Frage nach dem gestaltenden Potential von Utopien und der queeren Zeitlichkeit. Wie in Muñoz Theorie sind auch im Film Fogo-Fátuo (2022) des Regisseurs João Pedro Rodrigues die Sprünge und Verbindungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besonders maßgeblich. Stefan Lessmann, Doktorand an der Yale University, erklärt, inwiefern der portugiesische Spielfilm als...

44: Subjektive Materie. Stephanie Béreiziat-Lang über literarische Artikulationen des Ichs in der Vor- und Nachmoderne

44: Subjektive Materie. Stephanie Béreiziat-Lang über literarische Artikulationen des Ichs in der Vor- und Nachmoderne

17m 4s

Zum Subjektbegriff ist unter anderem in der poststrukturalistischen Theorie viel gesagt worden. Wie und in welcher Form aber lassen sich diese Ansätze auch auf literarische Texte der Vormoderne anwenden? Wie lassen sich Anachronismen umgehen und Synergien schaffen? Dr. Stephanie Béreiziat-Lang, post doc an der Universität Heidelberg, berichtet von der Arbeit des interdisziplinären DFG-Netzwerks ‚An den Rändern der Moderne. Konvergierende Subjektkonzeptionen zwischen Vor- und Nachmoderne‘, das sie leitet, sowie von ihrem Habilitationsprojekt ‚Körperbeschriftungen: Text und Körper in den iberischen Literaturen der Vormoderne‘ und erklärt, wie gerade die Materialität die Überlegungen zur Subjektivität bereichern könnte.

Interview: Teresa Hiergeist

43: Verrückte Ziegen. Gabriele Hassler über Autor:innenschaft als Performanz bei Gloria Fuertes und María Elena Walsh

43: Verrückte Ziegen. Gabriele Hassler über Autor:innenschaft als Performanz bei Gloria Fuertes und María Elena Walsh

30m 37s

Beschäftigt man sich in den Literaturwissenschaften mit Autor:innenschaft, so wird man häufig einer vereinfachten Textanalyse verdächtigt, bei der nur jene Aspekte berücksichtigt werden, die in Verbindung mit der Biographie der schreibenden Person in Verbindung gebracht werden können. Gabriele Hassler, prae doc an der Universität Innsbruck, erklärt uns, warum ein Miteinbeziehen der Autor:innenfigur – ganz im Gegenteil – zusätzliche neue Perspektiven eröffnen kann und gewährt uns Einblick in ihr Dissertationsprojekt über die spanische Autorin Gloria Fuertes und die argentinische Autorin María Elena Walsh.

Interview: Stefanie Mayer

42: (De-)Konstruktion des Nationalen. Verena Richter & Kurt Hahn über Literatur und nation building im 19. Jh.

42: (De-)Konstruktion des Nationalen. Verena Richter & Kurt Hahn über Literatur und nation building im 19. Jh.

29m 20s

Die Literaturen Hispanoamerikas im 19. Jahrhundert werden oftmals mit der Befreiung vom kolonialen Joch Spaniens und mit der Genese heute bekannter Staaten zusammengedacht. Texte, Geschichten oder theatrale Darstellungen tragen zu einem regional sehr unterschiedlich verlaufenden, stets aber umkämpften nation building bei. Sie können mithin als Gründungsfiktionen gedeutet werden, da sie imagined communities mitentwerfen, die den Entstehungs- und Konsolidierungsprozess von Nationen tragen. Doch ist das Verhältnis von literarischer Vorstellung, politischer Machtausübung und Herausbildung eines Gemeinwesens immer so klar aufeinander zu beziehen? Zeigen nicht etliche Fallbeispiele, welche Abgründe sich im Verhältnis von nation and narration zu Zeiten und in der Folge der...

41: Ihr gutes Recht. Marlen Bidwell-Steiner über die Kasuistik in der frühneuzeitlichen Literatur Spaniens

41: Ihr gutes Recht. Marlen Bidwell-Steiner über die Kasuistik in der frühneuzeitlichen Literatur Spaniens

28m 19s

Durch Faktoren wie die politische Zentralisierung, die Erschließung neuer Märkte und die Kolonialisierung steigt im Spanien des 16. Jahrhunderts die lebensweltliche Komplexität merklich an. Das ruft rege juristische, theologische und medizinische Debatten um das jeweils moralisch korrekte Verhalten auf den Plan. Marlen Bidwell-Steiner zeigt anhand der Episode von Dorotea und Fernando aus Miguel de Cervantes‘ Don Quijote, wie zentral diese Debatten im siglo de oro sind, welche Spuren sie auch in literarischen Texten hinterlassen und inwiefern sie als Katalysatoren der Herausbildung des modernen Romans wirken.

Interview: Teresa Hiergeist

40: Tierisch jung. Sophie Winklehner über die Darstellung von Jugend in Lucía Garibaldis Los Tiburones

40: Tierisch jung. Sophie Winklehner über die Darstellung von Jugend in Lucía Garibaldis Los Tiburones

20m 39s

‚Jugend‘ als eine zeitlich eingrenzbare Phase des Mensch-Seins ist ein modernes Konzept. Zahlreiche Stereotype und Klischees haften ihm seit seinem Aufkommen an. Sophie Winklehner, Studentin des Instituts für Romanistik Wien, untersucht eine davon: die Impuls- und Triebgesteuertheit der Jugend. Ihre Analyse des Films Los Tiburones von Lucía Garibaldi (2019) erklärt uns, wie im Film durch diese Zuschreibungen, Jugend vom erwachsenen „vollwertigen Menschen“ abgegrenzt und mit dem Animalischen gleichgesetzt wird.

Interview: Stefanie Mayer

39: Suizidrisiko Landwirtschaft. Emilia Jugovic über Kapitalismuskritik in Au nom de la terre (2019)

39: Suizidrisiko Landwirtschaft. Emilia Jugovic über Kapitalismuskritik in Au nom de la terre (2019)

20m 52s

Das Thema ‚Landwirtschaft‘ ist im französischen Kino der vergangenen Jahre derart häufig aufgegriffen worden, dass sich bereits eine eigene Gattung etabliert hat: der cinéma agricole. Im Zentrum der Filme, die ihm zugerechnet werden, stehen vor allem die Probleme, mit denen Landwirt:innen angesichts von neoliberaler Marktlogik, Technologisierung und Agribashing in der heutigen Zeit zu kämpfen haben. Emilia Jugovic erklärt uns am Beispiel von Édouard Bergeons Au nom de la terre (2019), wie Landwirtschaftsfilme zu öffentlichen Debatten um Ökologie, Beziehungsgestaltung und Leistungsdenken beitragen.

Moderation: Teresa Hiergeist